Rezension VOX

Wir sind als Frauen aufgerufen, zu schweigen und Gehorsam zu leisten. 

In einem nicht all zu fernen Amerika hat eine neue Regierung angeordnet, dass Frauen nicht mehr als 100 Worte am Tag sprechen dürfen. Frauen dürfen nicht mehr arbeiten gehen und Mädchen wird in der Schule nur noch beigebracht, was sie zum führen eines Haushaltes brauchen. In diesem unwirklichen Szenario befinde sich Jean McClellan. Auch wenn sie für sich dieses Schicksal vielleicht noch akzeptieren könnte, so will sie doch auf keinen Fall, dass ihre kleine Tochter Sonia in dieser Welt aufwachsen muss. Bald schon muss sie sich fragen, was sie bereit ist zu opfern, um ihrer Tochter eine glückliche Zukunft zu ermöglichen. 

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Auch hier möchte ich als erstes wieder auf das Cover eingehen. Es ist ja sehr schlicht gehalten aber genial gestaltet, wie ich finde. Das “X” des Titels ist an der genau passenden Stelle platziert. Ich finde das einfach richtig gut gemacht. 

Wie du vielleicht schon weißt, bin ich ein großer Freund von dystopischen Geschichten. Ich persönlich finde sie einfach sehr gruselig, weil sie genau so passieren können. Natürlich ist man geneigt zu sagen, wir würden so etwas wie in Panem nie zulassen. Aber die Geschichte der Menschheit hat oft genug gezeigt, dass die Masse sehr wohl grauenhafte Dinge zulassen kann. Aber Solche Geschichten machen auch wieder Hoffnung. Hoffnung darauf dass es auch immer Menschen geben wird, die gegen die Ungerechtigkeit ankämpfen. 

Aber um zurück zum Buch zu kommen, als ich das erste mal von dem Buch gehört habe, war natürlich klar, dass ich die Geschichte lesen muss. Alleine die Vorstellung in einer Welt zu leben, in der ich nur 100 Worte täglich sprechen dürfte, in der ich weder lesen noch schreiben dürfte, ist furchtbar. Aber die Idee dahinter ist brillant. Wie könnte man eine Gruppe Menschen  besser unterdrücken als dass man ihnen die Möglichkeit der Kommunikation nimmt? 

Ich muss sagen, am Anfang fand ich Jean etwas naiv. Sie redete sich immer wieder ein, sie hätte das alles nicht kommen sehen obwohl sie eine Freundin hatte, die ihr immer wieder gesagt hat, wo die Probleme sind und was passieren wird. Abgesehen davon mochte ich sie als Protagonistin ziemlich gerne. Sie war nicht zickig oder nervig, allerdings war sie mir manchmal etwas zu passiv. Gerade zu der Zeit, als sie noch normal reden durfte, sah sie wie ihr Sohn ein fragwürdige Richtung einschlägt und tat meiner Meinung nach zu wenig dagegen. 

Ich muss sagen, die anderen Charaktere fand ich tatsächlich leider etwas flach. Man erfährt noch am meisten von ihrem ältesten Sohn Steven und ihrer Tochter Sonia. Es gibt auch noch zwei Jungs, Zwillinge, die spielen eigentlich gar keine wirkliche Rolle. Die sind einfach nur da. Auch ihr Mann Patrick ist eher flach und das obwohl man schon oft von ihm liest. Außerdem waren manche Dinge vorhersehbar. Ich muss aber auch sagen, dass ich einiges nicht kommen sehen habe. Trotzdem würde ich sagen, dass die zweite Hälfte des Buches nicht ganz mit der ersten Hälfte mithalten kann. 

Auch wenn das bisher beschriebene vielleicht eher negativ klingt, fand ich das Buch extrem spannend und fesselnd. Ich wollte einfach wissen, wie es weiter geht und was mit Jean passiert. Der Schreibstil ist klasse. Ich war auch emotional drin in der Geschichte. Nicht nur einmal war ich wirklich wütend über Ungerechtigkeiten oder enttäuscht davon, dass normale Männer und auch Frauen das nicht nur zulassen sondern vielleicht sogar noch gut fanden. 

Und bis Seite 375 hätte ich das Buch auch empfohlen als ganz klares must read. Aber dann kam das Ende. Und damit hat es die Autorin mir ziemlich verhagelt. Als ich Richtung Ende kam, fiel mir schon auf, dass nicht mehr viele Seiten übrig waren, es aber noch eine ganze Menge zu erzählen hätte geben müssen. Tja, an dem Punkt hat es sich die Autorin sehr einfach gemacht. Sie hat es schlichtweg nicht erzählt. Es wurde etwas geplant und im nächsten Kapitel wusste man sofort, ob der Plan geklappt hat oder nicht. Man hat nicht erzählt bekommen, was eigentlich passiert war, weil keiner da war der es hätte erzählen können. Die Autorin hat damit mehrere Fliegen mit einer ziemlich plumpem Klatsche geschlagen. Und das war wirklich enttäuschend.  

Würde ich das Buch immer noch empfehlen? Jain. Die Idee dahinter ist große klasse und die Geschichte an sich ist wirklich gut un spannend geschrieben. Und auch wenn mir ein paar Punkte nicht so gut gefallen haben, fand ich es lesenswert. Allerdings darf man eben nicht damit rechnen, dass die Geschichte richtig zu ende erzählt wird. Es fehlt einfach ein Stück. Wenn einen das nicht stört, kann man sich das Buch auf jeden Fall mal ansehen. 

  • Autorin: Christina Dalcher 
  • Verlag: S. Fischer Verlag
  • Seiten: 400
  • Preis: 20 €
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